Und wir haben gar noch mehr gelernt: wir k√∂nnen auch Solches sammeln und vor der Verg√§ngnis sch√ľtzen, das zur Ern√§hrung gar nicht taugt. Heute jagen und sammeln wir Informationen aller Art: wen hat man angerufen, wem hat man Geld √ľberweisen, was hat man eingekauft, was hat man im Internet angew√§hlt, wo ist man hingereist, mit dem Flieger, mit dem Auto, wie sieht der Fingerabdruck aus. Wir konservieren diese ganze Flut von Daten f√ľr schlechte Zeiten. Dies sind Zeiten, in denen wir die Informationen heranziehen, um die Menschen, zu denen diese Informationen geh√∂ren, des Landes zu verweisen, an unsere oder fremde Gerichtsbarkeiten ausliefern zu lassen, nicht in unser Land einreisen zu lassen, in Gef√§ngnisse zu stecken, ihnen weitere Informationen abzupressen, Gr√ľnde vorgeben zu k√∂nnen, diese Menschen verschleppen und foltern zu d√ľrfen.

aus: ‚ÄúJ√§ger und Sammler‚ÄĚ von Bruno Baer, in ‚ÄúMir fehlt ein Wort‚ÄĚ 60 Essays und Aphorismen von Kurt Tucholsky und anderen Autoren, bleikl√∂tzle 2010, W√§schenbeuren.

 

aus: ‚ÄúMenschen - W√ľrde - Rechte‚ÄĚ eine Auswahl von Artikeln aus der Allgemeinen Erkl√§rung der Menschenrechte, Zwillingsleporellobuch, bleik√∂tzle 2005, W√§schenbeuren

 

Wer sich derzeit einen der seit November 2010 ganz neuen Personalausweise anfertigen l√§sst, der wird auf dem B√ľrgerb√ľro freundlich dar√ľber informiert, dass er im Zuge der Personalausweisanfertigung auch seinen Fingerabdruck speichern lassen kann - zur eigenen Sicherheit, versteht sich, f√ľr wenn der Ausweis verloren geht.
Oder so.
Es gab Zeiten, da wurde ein Fingerabdruck nur genommen von Personen, die im Verdacht standen, etwas Kriminelles verbrochen zu haben. Vorbei, dahin.

 

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